Für mehr Offenheit „Open-Source“

Open Source bedeutet das Computerprogramme frei verfügbar, beliebig kopiert und verändert werden dürfen. Die Idee wird in anderen sogenannten „Open“ – Bewegungen unter anderem auch auf öffentliche Daten und die Forschung übertragen.

Interview mit Autor Ulrich Herb über die Vorteile von offenen Daten im Internet.

(Quelle:Die Woch 03/2014)

Ulrich Herb

Ulrich Herb

Nach den Enthüllungen von Edward Snowden, den Nachrichten über Sicherheitslücken bei E-Mail- und Kommunikationsdienstleistern, wie Whatsapp und Facebook, und immer häufiger auftretender Cyberkriminalität ist die Sicherheit von Daten wieder in aller Munde. Doch ein freier , transparenter Datenaustausch kann durchaus auch positiv sein. Offene Daten haben ein großes Wirtschaftspotenzial und können demokratische Prozesse fördern. So sieht es etwa Ulrich Herb, der als Autor über die sogenannten „Open“ – Bewegungen schreibt und sich an der Universität des Saarlandes unter anderem für den uneingeschränkten Austausch von Forschungsergebnissen einsetzt.

Was steckt eigentlich genau hinter der „Open“ – Bewegung?

Herb: Es geht um die digitale Verfügbarmachung von Daten. Das betrifft vor allem auch Daten, deren Erhebung bereits durch öffentliche Mittel finanziert worden sind, etwa wissenschaftliche Forschungsergebnisse von Universitäten, aber auch Daten, die von den öffentlichen Verwaltungen erhoben werden.

Mit welchem Ziel?

Im wesentlichen geht es um Transparenz, Innovation und Effizienz. Offene Daten machen prozesse transparent: AUF WELCHE DATEN HAT EINE VERWALTUNG ZUGRIFF? AUF WELCHE DATEN GREIFEN WISSENSCHAFTLER ZURÜCK? Transparenz kann so Vertrauen schaffen und die Glaubwürdigkeit erhöhen.
Andererseits werden Innovationen gefördert, etwa wenn Unternehmen offene Daten nutzen um neue Dienstleistungen zu schaffen oder Wissenschaftler bestehende Daten neu auswerten können. Ein weiteres Beispiel sind Gewerbeansiedlungen: Liegen qualifizierte Daten über die Infrastruktur in leicht verfügbarer Form vor, können potenzielle Interessenten genau einschätzen, welcher Standort für sie besonders interessant ist.
Und drittens, fördern offene Daten die Effizienz, wenn der Austausch von Daten vereinfacht wird und man Daten aus verschiedenen Quellen besser kombinieren kann.

Was bedeuten offene Daten genau?

Das heißt, das Daten frei verfügbar sind, im Idealfall in einer maschinenlesbaren Form. Die Daten können dann frei kopiert, mit anderen Daten kombiniert und verändert werden. Frei heißt aber mehr als kostenlos: Jeder Nutzer der Daten soll seine Erkentnisse, Projekte oder Veränderungen wieder frei verfügbar machen.

Wie ist der aktuelle Stand der „Open“ – Bewegung?

Die Bewegung gibt es schon seit längerer Zeit. In den USA Skandinavien und Großbritannien sind offene Daten normal geworden. In England gibt es zum Beispiel das Projekt „Where does my Money go?“, dass die Verwendung von Steuergeldern bis auf die kleinste Ebene aufschlüsselt. In Deutschland sind wir noch nicht soweit.
Es gibt aber erste Schritte mit dem Daten portal 2GovData“ der Bundesregierung, das den Zugriff auf einige Daten der öffentlichen Verwaltung bietet. Allerdings stehten die Daten im deutschen Datenportal meist unter Lizenzen, die nur kostenlos genutzt werden können, allerdings nicht frei kopiert, mit anderen Daten kombiniert und verändert werden. Mit ihnen sind meistens Anwendungen wie „Where does my Money go?“ nicht machbar.

Wie sieht es im Saarland aus?

Öffentliche daten sind meist schwer zugänglich, weil sie nicht kostenfrei oder in maschineller Form vorliegen, meistens sogar weder das eine noch das andere.

Wie schätzen Sie die Zukunft der „Open“ – Bewegung ein?

Deutschland tut sich noch wenig schwer damit, das beweist die Lizenzproblematik in „GovData“, einzelne Städte wie Frankfurt am Main, Berlin oder auch kleinere Kommunen wie Moers sind aber schon recht weit.
Dem Saarland fehlt etwas die Agilität, auf Kommunalebene existieren anscheinend keine OpenData-Komzepte. Im Land arbeitet man im Rahmen des E-Gouvernmentgesetzes an einer Modernisierung der Verwaltung, das kann, muss aber nicht bedeuten, dass OpenData eine Rolle spielen wird. Denn E-Gouvernment bedeutet zunächst mal keine offene oder transparente Verwaltung, sondern zunächst nur digitalisierte Ver4waltungsfunktionen nach innen und außen.

(Quelle:Die Woch 03/2014)

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